Invasive Arten

Wenn sich nicht-heimische Arten breit machen, kann das einen sehr großen Einfluss auf das lokale Ökosystem haben. Um negative Auswirkungen zu vermeiden müssen invasive Neophyten und gebietsfremde Tiere beobachtet und bekämpft werden.

© Wiese mit Riesenbärenklau
Manche nichteinheimische Arten wie der Riesenbärenklau können sich oft ungebremst ausbreiten.

Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen, die durch den Menschen in Regionen gelangt sind, die sie aus eigener Kraft nicht erreicht hätten, nennt man Neobiota. Einige dieser Arten konnten sich in neuen Gebieten dauerhaft fortpflanzen, etablieren und ausbreiten. Manche treten massiv auf und beeinflussen die regional typische Flora und Fauna. Wenn das negative Auswirkungen auf unsere Umwelt hat, nennt man ihr Auftreten invasiv.

Neue Arten auf dem Vormarsch

Neobiota sind gebietsfremde Tier- und Pflanzen­arten, die ursprünglich nicht in Österreich heimisch waren. Zu ihnen zählen Neophyten (Pflanzen) und Neozoen (Tiere). Durch den internationalen Handel, den Reise­verkehr, den Tourismus oder den Klimawandel gelangen sie in neue Lebens­räume und können sich dort ansiedeln.

Problematisch werden Neobiota, wenn sie sich stark vermehren und heimische Arten verdrängen. In diesem Fall spricht man von invasiven Arten. Besonders invasive Neophyten wachsen sehr schnell, passen sich gut an neue Standorte an und setzen sich erfolgreich gegen heimische Pflanzen durch. Da häufig natürliche Fress­feinde oder Konkurrenten fehlen, breiten sie sich oft ungehindert aus.

Die Folgen sind vielfältig: Invasive Arten verändern Lebensräume, verdrängen heimische Pflanzen und Tiere und beeinträchtigen die Biodiversität. Dadurch verändern sich auch Nahrungsverfügbarkeit und Lebens­raum­bedingungen für zahlreiche Tier­arten. Gleichzeitig verursachen sie Schäden an Infra­struktur und in der Land­wirtschaft und stellen Gemeinden sowie den Naturschutz vor große Heraus­forderungen. Ein gezieltes Manage­ment trägt dazu bei, ökologische Schäden zu begrenzen und die heimische Flora und Fauna langfristig zu schützen.

© Rosa blühendes Drüsiges Springkraut wächst neben Bachlauf.
Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) gehört zu den invasiven Arten, die sich rasch ausbreiten.

Klimaveränderung unterstützt Ausbreitung von Neophyten

Steigende Durchschnitts­temperaturen und veränderte Niederschlags­muster begünstigen die Verbreitung. Wärmere Temperaturen ermöglichen es Neophyten in höheren Breiten­graden und Höhen­lagen zu über­dauern und sich auszubreiten. Die heimische Bio­diversität und die damit verbundenen Ökosystem­leist­ungen können dadurch nachteilig beeinflusst werden.

Der Klimawandel führt in Niederösterreich zu verlängerten Vegetations­perioden, bedingt durch einen zeitigen Frühlings­beginn und warme Winter­monate. Das verschafft Neophyten einen Vorteil gegenüber ein­heimischen Pflanzen­arten, welche sich nicht rasch genug anpassen und zunehmend verdrängt werden.

Verbreitung über Wasser, Erde und Luft

Extreme Wetterereignisse wie Stürme und Überschwemmungen tragen dazu bei, dass Samen und Pflanzenteile über weite Strecken transportiert werden.

Entlang von Fließgewässern ist die Eindämmung invasiver Neophyten besonders schwierig. Die Bösch­ungen sind oft schwer zugänglich und steil. Deswegen ist es besonders wichtig, mit den Arbeiten im Oberlauf zu beginnen, da viele Samen schwimm­fähig sind. Das Drüsige Springkraut und der Riesen Bärenklau können so schnell an neuen Ufern große Bestände entwickeln. Der japanische Stauden­knöterich verbreitet sich über Spross- oder Rhizombruchstücke. Im Falle eines Hochwassers siedeln sich die abge­rissenen Pflanzenteile dort an, wo sie ans Ufer gespült werden.

Auch bei Pflege- und Baumaßnahmen können invasive Arten eingeführt werden, wenn beim Aushub Pflanzen­material oder Wurzel­bruchstücke dabei sind. So wurde der Japanische Staudenknöterich in Alm­gebiete über 1.500 Metern verschleppt: kontaminiertes Schütt­material wurde eingebracht.

© Der Japanische Staudenknöterich hat sich stark ausgebreitet und überwuchert heimische Vegetation.
Neben dem Anzbach hat sich der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) stark ausgebreitet.

Schäden an Infrastruktur und Gesundheit durch invasive Arten

Die Auslöschung regionaler Arten durch eingeschleppte Invasivarten ist weltweit ein bekanntes Problem. Manche Pflanzen wie der Japanische Staudenknöterich oder der Götterbaum wachsen so dominant, dass auf besiedelten Flächen kaum etwas anderes mehr wachsen kann. Ihr Wurzeln haben eine enorme Spreng­kraft, daher sind die Kanalisation, Straßenbeläge, Schutz- und Stützmauern sowie Gebäude gefährdet, aber auch Wehranlagen, Brücken und Anlagen zum Hochwasserschutz.

© Götterbaum im Herbst im Wald
Der Götterbaum (Ailanthus altissima) setzt sich durch kräftiges Wachstum durch, und scheidet über die Wurzeln ein Pflanzengift aus, das andere Pflanzenarten unterdrückt.

Im Straßenbau und an Gewässerufern richtet der Staudenknöterich große Schäden an, da er selbst feine Ritzen und schadhafte Stellen durchwächst und dann durch Dickenwachstum sprengt. Während der Vegetationsruhe, also ohne oberirdischen Bewuchs, sind die vom Staudenknöterich befallenen Flächen besonders erosionsanfällig. Der Boden ist offen und oberflächlich kaum durchwurzelt. Das führt dazu, dass befallene Böschungen leicht unterspült und bei Hochwasser fortgerissen werden.

Viele Menschen haben im Spätsommer mit allergischen Zuständen zu kämpfen. Grund dafür sind die Pollen von Ragweed (Ambrosia artemisiifolia), die ein extremes Allergie­potential bergen: 5 Pollen pro m³ Luft reichen aus, um eine heftige Reaktionen auszulösen. 

Ragweed wird gehalten gegen roten Erdhintergrund

Kosten werden unterschätzt

Auch wenn Maßnahmen für die Bekämpfung mit Kosten verbunden sind, werden dadurch viel höhere Folgekosten vermieden. In der Land- und Forst­wirtschaft entstanden in Europa im Zeitraum 1960-2020 Schäden in Höhe von 116,61 Milliarden Euro durch invasive Arten wie die Wanderatte und das Wildkaninchen. Diese Kosten sind real wahrscheinlich noch viel höher.

Nur schwer quantifizierbar sind die indirekte Kosten, die durch die Beeinträchtigung menschlicher Gesundheit entstehen z. B. durch das Allergien auslösende Ragweed oder die Krankheiten übertragende Tigermücke. Auch die Kosten durch das Verdrängen heimischer Arten sind schwierig zu bemessen, so gilt die Asiatische Hornisse gilt als große Gefahr für unsere der Honigbienen, was wiederum landwirtschaftliche Kulturen stark schaden könnte. Beobachtungen sollten unbedingt gemeldet werden, z.B. über die Meldeplattform von Biene Österreich bzw. auch direkt bei der zuständigen Abteilung Naturschutz des Landes NÖ.

Die Dringlichkeit ist wissenschaftlich belegt

Schäden durch invasive Arten sind mindestens zehnmal teurer als ihre Prävention und Bekämpfung. Seit der Jahrtausendwende haben sich diese Schäden weltweit um 700 Prozent erhöht – stärker als die Kosten vieler Naturkatastrophen. Frühzeitiges Handeln schützt deshalb nicht nur Natur und Biodiversität, sondern spart auch enorme Folgekosten.

Ein Beispiel: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) in der Schweiz (pdf, 200 KB) hat eine Gefährdungsanalyse für die unkontrollierte Massenausbreitung des Kreuzkrauts oder Schmalblättrigen Greiskrauts (Senecio inaequidens) unternommen. Es ist eine für Mensch und Weidetier sehr giftigen Pflanze, ursprünglich aus Südafrika und Lesotho beheimatet ist. Eine Massenausbreitung auf Agrar- und Weideflächen hätte schwerwiegende Folge: stark befallenes Grasland könnte nicht mehr beweidet werden, Milch- und Fleischprodukte sowie Honig müssten auf Rückstände des Greiskrauts geprüft und ein aufwendiges Bekämpfungsprogramm gestartet werden. Die geschätzten Kosten um die Gefahr zu bannen liegen bei 1 Milliarde Franken.

Richtiges Management invasiver Arten

Bei der Bekämpfung invasiver Arten ist sorgfältiges Vorgehen entscheidend, damit sie sich nicht unbeabsichtigt weiter ausbreiten. Eine wichtige Rolle spielt der richtige Zeitpunkt der Maßnahmen. Ebenso wichtig ist es, Geräte nach dem Einsatz gründlich zu reinigen und beim Transport sowie bei der Entsorgung von Pflanzenmaterial besonders sorgfältig vorzugehen. So lässt sich verhindern, dass Samen oder Pflanzenteile an andere Standorte gelangen und sich dort erneut ausbreiten.

Mähen und Beweiden, wenn sie schon da ist

Die Neophyten sollten so schnell wie möglich – am besten vor dem Ausbilden der Samen – entfernt werden. Bei der Mahd und Beweidung kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an.

Beim Staudenknöterich ist die Bekämpfung mit Mahd dann erfolgreich, wenn sie über Jahre hinweg in kurzen Zeit­abständen durch­geführt wird. Die Bereiche können auch mit Ziegen und Schafen beweidet werden. So haben die Pflanzen keine Möglichkeit Blätter auszubilden, die Pflanze wird geschwächt und stirbt ab. Das Ausgraben ist schwierig, denn wenn kleine Teile im Boden zurück bleiben, treibt die Pflanze neu aus. Beim Transport des Schnittguts muss alles gut abgedeckt sein, denn kleine Pflanzenteile reichen, damit sich der Staudenknöterich in einem neuen Areal ansiedeln kann.

Ragweed kann man entlang der Straßen durch Mahd eindämmen. Dabei soll die erste Mahd so spät wie möglich vor Beginn der Blüh­phase stattfinden, also frühestens Mitte Juli. Ab dann sollte alle drei Wochen gemäht und danach die Mäh­maschine gründlich gereinigt werden. In professionellen Kompostierungsanlagen sowie in Biogasanlagen kann das Schnittgut entsorgt werden.

Heimisches pflanzen zur Vorbeugung

Hat sich die invasive Art einmal etabliert, ist es sehr zeit- und kostenintensiv, sie wieder zu beseitigen. Daher gilt es, bei einem Befall schnell zu reagieren, auf die richtige Bekämpfungsmaßnahme zu setzen, und generell vorzubeugen, z.B. durch das Einsäen und Bepflanzen geeigneter Flächen.

Erfolgversprechend gegen die Verbreitung des Staudenknöterichs ist das Anpflanzen von heimischen, standortangepassten Bäumen wie z.B. Weiden oder Erlen, da diese Schatten machen. Erdnackte Uferbereiche sollten vorbeugend mit heimischen, konkurrenz­starken Pflanzen bepflanzt werden bzw. entsprechendes Saatgut so schnell wie möglich ausgebracht werden.

Gemeinsam aktiv werden gegen invasive Arten

Um unsere natürlichen Umgebung zu schützen und die Biodiversität zu erhalten, ist es entscheidend die Verbreitung invasiver Neophyten zu kontrollieren und gegebenenfalls einzudämmen. Jede und jeder Einzelne kann aktiv dazu beitragen, diese Herausforderung zu bewältigen. Hier sind einige praktische Tipps:

  • Lernen Sie die wichtigsten invasiven Arten in unserer Region kennen.
  • Vermeiden Sie invasive Neophyten in Grünflächen, Parks, Rabatten oder Gärten. Verwenden Sie Pflanzen, die das örtliche Ökosystem unterstützen, z. B. Futterpflanzen für heimische Insekten und Vögel.
  • Behalten Sie invasive Arten im Blick und entfernen Sie sie regelmäßig, in freier Wildbahn und auch in privaten Gärten. Je nach Art bzw. Sorte wirkt eine andere Maßnahme, die Natur im Garten Broschüre (pdf) gibt Auskunft.
  • Verdächtige Neophytenbestände können Sie mit einem Foto in der Abteilung Naturschutz des Landes NÖ per E-Mail melden: post.ru5@noel.gv.at, online über das Citizen Science Projekt iNaturalist und bei der Gemeinde.
  • Reden Sie darüber: Machen Sie eine Veranstaltung, bringen Sie das Thema in die Schule ein, bringen Sie einen Artikel im Gemeindemagazin. Gespräche fördern den Austausch und helfen, effektive Bekämpfungsstrategien zu entwickeln.
  • Gemeinsam aktiv werden: Nehmen Sie an Flurreinigungsaktionen teil, um über Neophyten aufzuklären und die Meldung von Neophytenbeständen zu unterstützen.
  • Bildung und Weiterbildung: Nutzen Sie vorhandene Schulungsangebote, um sich fachlich weiterzubilden und mehr über effektive Bekämpfungsmaßnahmen zu erfahren wie die Neophytenmanagement-Seminare des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands (ÖWAV).

Vorkommen invasiver Arten können formlos an die Abteilung Naturschutz per E-Mail gemeldet werden: post.ru5@noel.gv.at. Diese Meldungen benötigen eine Ortsangabe (Adresse oder Koordinaten) und, wenn möglich, einen Fotobeleg.